| Richard Curt Reubig wurde als
Sohn des Ernst Richard Reubig und seiner Ehefrau Anna Auguste
geborene Rossberg am 26. September 1889 in Nossen in Sachsen
geboren. Sein Vater war Geschäftsführer und Werkführer
in der Gerbereibranche. Mit 6 Jahren besuchte er die Volksschule,
danach die Mittelschule. Nach seiner Schulentlassung mit 14
Jahren erlernte er den Beruf eines Gerbers in der Firma C.
A. Naumann in Wittenberg, in der sein Vater als Werkführer
beschäftigt war. Die Familie Reubig verzog etwa 1907 nach
Pößneck und wohnte in der Schulstraße 5, heute
Straubelstraße 5. Es ist davon auszugehen, dass sein
Vater in der Lederfabrik der Gebr. Gebhardt, Jüdeweinerstraße
18 als Werkmeister tätig war. Von Pößneck aus
ging Curt Reubig auf Wanderschaft und arbeitete in den verschiedensten
Betrieben als Geselle, so auch in der Pößnecker
Lederfabrik Diesel und Weise um 1909/1910.
Seine Eltern wohnten zu dieser Zeit in der Neustädterstraße
14, in dem Haus der Fleischerei Pasold. Nach Beendigung der
Wanderschaft war er als Vorarbeiter in der Firma der Gebr.
Gebhardt, Chromlederfabrik in Pößneck in der Zeit
von 1913 bis 1914 beschäftigt. Danach ging er als Lehrmeister
von 1914 bis 1916 in die Mitteldeutsche Gerberei und Riemenfabrik,
nach Wetzlar.
Er verehelichte sich und aus dieser Ehe gingen die Tochter
Magda, sowie die Söhne Arno, Karl, Curt und Waldemar
hervor.
Von 1918 bis 1921 arbeitete er als Technischer
Direktor in den Deutsche Patentlederwerke in Gießen.
Hier hat er vermutlich seine Verfahren zur Chromledergerbung
entwickelt
und 1920 als DRP registrieren lassen. Dabei kamen ihn die
Erfahrungen, die er auf der Wanderschaft in den verschiedensten
Betrieben sammeln durfte, zugute. Wie aus den Unterlagen
hervorgeht, wurde auf Veranlassung der Bank für Handel
und Industrie Darmstadt, über seine Erfindung, von
dem Sachverständigen Dr. Ludwig Jablonski, Berlin,
ein Gutachten erstellt, wo in mehrtägigen Versuchen
die Qualität der Verfahren zu einer überraschend
guten Beurteilung führte. Danach war er in der Firma
J. H. Wiese AG, Chromlederfabrik in Neumünster als
Betriebsdirektor von 1921-1923 tätig. 1923 ging er
dann nach Rumänien, wo er als Technischer Leiter
bei der Firma Citron & Companie tätig war. Zu
seinen Aufgaben gehörte auch, die Herren Citron und
Deutsch jun. in der Zeit von etwa 3/4 Jahr auszubilden,
damit sie die Gerberschule in Lyon besuchen können.
Hier führte er ebenfalls seine Verfahren ein und war
auch am Gewinn (Tantiemen) beteiligt. Am 4. November 1928
kehrte er nach Deutschland zurück und betätigte
sich als Instrukteur in den verschiedensten Firmen in Europa
und führte dort seine Verfahren ein.
1929/30 wohnte die Familie in der Sandgasse 1 im Ortsteil
Köstitz.
1934 wohnte die Familie in Schlettwein Nr. 110
Seine Frau erkrankte schwer und starb. Sie wurde während
ihrer Krankheit von der Nachbarin Anna Müller gepflegt.
Diese war zwischenzeitlich geschieden worden. Auf dem Sterbebett
sagte seine Frau zu ihm: Wenn ich gestorben bin, dann heiratest
du die Anna Müller. So ist es auch dann geschehen. Am
5. Juni 1933 verehelichte er sich mit Anna Müller geb.
Hauguth. Bereits 5 Tage später wurde ihnen die Tochter
Eleonora Adelheid geboren. Zuvor hatten sie eine 3-4 monatige
vorgezogene Hochzeitsreise nach Italien unternommen. Die
Söhne Arno, Kurt und Karl kamen mit ihrer Stiefmutter
nicht zurecht und verließen daraufhin das Elternhaus.
Sohn Karl ging zu seiner Großmutter nach Gießen. Über
seinen weiteren Lebensweg ist nichts bekannt. Arno und Curt
verehelichten sich und gründeten einen eigenen Hausstand.
Sohn Waldemar, der am 25.7.1925 geboren wurde, blieb im Elternhaus
und wurde, wie auch seine Brüder zur Wehrmacht eingezogen.
Er wurde durch einen Kopfschuss verwundet, an deren Folgen
er am 6.10.1944 im Alter von 19 Jahren verstarb.
Am 1. April 1933 richtete er als Betriebsleiter
in Rybnik wenige Kilometer von Ratibor entfernt, aber schon
in Polen,
eine Lederfabrik ein und wohnte in einem Hotel in Ratibor.
Auch sein Schwager, Kurt Hauguth, wurde dort als Lackmeister
eingestellt. 6 Wochen (Ende Juli) nach der Geburt der Tochter
Adelheid, zog die Familie nach Ratibor. Am 11. Oktober 1933
endete das Arbeitsverhältnis, weil die polnische Regierung
die weitere Aufenthaltsgenehmigung nicht erteilte. Daraufhin
zogen sie wieder zurück nach Thüringen und zwar
in das Haus von Schwager und Schwägerin Kurt und Anni
Hauguth in Neustadt an der Orla, Schulpforte 1. In Neustadt
wurde ihnen am 5. Mai 1935 der Sohn Richard Helmut Ernst
geboren. Laut Unterlagen hat er in Neustadt bei der Firma
Hermann Meyer auch sein Verfahren im Sommer 1934 eingeführt.
Am 21. September 1935 hat er mit einem Herrn Schubert die
Firma „Thüringer Fettindustrie“ gegründet,
die aber am 8. Mai 1936 von Amts wegen gelöscht wurde.
Wegen Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen Arbeitslosenunterstützung
musste die Familie wieder nach Ratibor ziehen. Sie wohnten
dort in der Oderstraße in einer Villa, die dem Juden
Staub gehörte. 1937 pachteten sie dann ein Siedlungshaus
in der Siedlerstraße 51.
Dort wurde ihnen am 22. März 1938
die Tochter Waltraud Beate geboren. und ging dann nochmals
als Instrukteur nach
Radom, Polen, zur Firma Cemach, Chrom- und Sohllederfabrik.
1938 wurde er als Instrukteur zur Firma Burkhardt, Radom,
gerufen. Ab 1. Januar 1939 sollte er in Warschaus größter
Lederfabrik, die technische Leitung übernehmen, bekam
aber seitens der Deutschen Behörde keine Ausreisegenehmigung
und wurde kurzerhand dem Landratsamt Ratibor durch das Arbeitsamt überwiesen.
Dort arbeitete er als Sachbearbeiter im Bezirks-fürsorgeverband
von 1939-1945. Seine Familie war Anfang Januar vor der heranrückenden
Front geflohen. Sie fanden zunächst kurzzeitig Unterkommen
in Neustadt bei der Schwägerin Anni, sowie Pößneck
bei dem Sohn Arno, der in der Turmstraße, Bäckerei
Schwalbe, wohnte. Danach wohnten sie in Neuhaus-Schierschnitz.
Am 30. Januar 1945 wurde er aus militärischen Gründen
nach Neuhaus-Schierschnitz, Kreis Sonneberg evakuiert. Dort
in Neuhaus-Schierschnitz fanden sie wieder zusammen.
Am 26. Juli 1945 verzog die Familie nach Pößneck.
Sie „wohnten“ dann im Geinitztal in den Baracken,
in der zuvor Krieggefangene untergebracht waren, mit vielen
anderen Flüchtlingen. Obwohl das Leben sehr primitiv
war, bestand doch die Möglichkeit einen Garten anzulegen
und sogar ein Feld zu bestellen, was sich in der schlechten
Nachkriegszeit als Vorteil herausstellte, obwohl man zum
Bearbeiten nur Spaten zur Verfügung hatte und sich darum
sehr plagen musste. Wasser war auch nicht vorhanden. Es musste
an der Straße an einer Zapfstelle geholt werden und
im Winter sogar aus Schweinitz. 1950 war es endlich soweit,
dass die Flüchtlinge aus den Baracken in die Stadt ziehen
konnten. Curt Reubig war immer wieder bei den Städtischen
Behörden vorstellig geworden, bis die Flüchtlinge
dann endlich Wohnraum in Pößneck zugewiesen bekamen.
Die Familie bezog dann eine Wohnung in der Gerberstraße
24. Nach Krieg und Flucht versuchte er immer wieder in seinem
Beruf Arbeit zu finden. Er annoncierte in Fachzeitschriften
und schrieb Betriebe an. 1948 nahm er eine Arbeit in einer
Fabrik in Weilheim an, die auf seine Annonce geantwortet
hatte. Als dann in der westlichen Besatzungszone die Währungsreform
eingeführt wurde, wurde er, weil in der sowjetischen
Besatzungszone ansässig, entlassen. Auch in Gießen,
wo er von 1918 – 1921 tätig war, hat er versucht
eine Anstellung zu finden, aber er war mittlerweile zu alt
geworden.
Inzwischen hatte auch seine Gesundheit
gelitten, so dass er zuletzt Invalidenrenter wurde. Er war
dann froh, als er
in einem Zeitungskiosk als Zeitungsverkäufer zum Lebensunterhalt
der Familie ein wenig beitragen konnte. Kurz vor seinem 63.
Geburtstag erlitt er einen Schlaganfall, der am 29. September
1952 im Pößnecker Krankenhaus zu seinem Tode führte. |